Features im Radio

Features

Donnerstag 09:05 Uhr Ö1

Radiokolleg - Gefährliche Beziehungen

Über Verstrickung und Lösung aus der Abhängigkeit (4). Gestaltung: Johannes Kaup Liebesbeziehungen sollten uns eigentlich Vertrauen, Sicherheit und Glücksmomente schenken, uns Halt geben und wachsen lassen. Doch bei manchen Beziehungen tritt genau das Gegenteil davon ein. Dann, wenn man sich beispielsweise auf eine Beziehung zu einem narzisstischen Soziopathen eingelassen hat. Das sind Menschen, die nur an sich und ihre eigene Persönlichkeit denken, die sich durch die Erniedrigung des Partners - oder zumeist der Partnerin - selbst erhöhen, sich rücksichtslos nehmen, was sie wollen und beim Partner auch noch Abhängigkeit und Schuldgefühle erzeugen. Solche Soziopathen hegen Misstrauen und Neid, und lassen ihren Ärger und Zorn am Partner oder an der Partnerin aus. Sie isolieren sie von familiären und freundschaftlichen Beziehungen, benutzen sie, würdigen sie herab, tyrannisieren sie und üben Gewalt aus, bis das Selbstwertgefühl der Opfer schwer beeinträchtigt ist. In nicht wenigen Fällen sind auch "Stalking" und Sadismus mit im Spiel. Die Tragik der Situation besteht darin, dass die Partnerin darin dermaßen verstrickt ist, dass sie sich wegen der eigenen Minderwertigkeits- und Schuldgefühle noch mehr zu ihm hingezogen fühlt. Selbst nach Erfahrungen massiver Gewalt müssen Angehörige und Freunde oft ohnmächtig mitansehen, wie das Opfer entgegen aller Vernunft und Hilfsangebote wieder in den Bannkreis des Gefährders zurückkehrt. Der Polizei und den Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt sind die Hände gebunden, solange das Opfer nicht von selbst über die erfahrene Gewalt wahrheitsgemäß aussagt oder um Hilfe ansucht. In der psychotherapeutischen Fachsprache nennt man diese Form der suchtförmigen Abhängigkeitsbeziehungen "Beziehungssucht", "toxische Beziehungen", beziehungsweise "Narzisstischer Missbrauch". Warum diese Beziehungen so schwer aufzulösen sind, hat damit zu tun, dass der narzisstische Partner den anderen emotional kontrolliert und in einem ständigen Wechselspiel von Liebesbezeugungen ("love bombing"), Entwertung und angedrohter Trennung gefügig macht. Je länger eine solche Beziehung dauert, desto mehr wird die Wahrnehmung des Opfers manipuliert, sodass mit der Zeit immer krassere Formen von Entwertung und Gewalt erduldet werden. Auch die krankhaft narzisstische Person selbst ist mangels eines gesunden Selbstwertgefühls und Vertrauens oft nicht in der Lage, das eigene manipulative Tun zu durchschauen, und rechtfertigt selbst Gewaltakte in der Beziehung mit einem Übermaß an Zuneigung. Das ist ein Zeichen einer sogenannten dependenten Kollusionsbeziehung, die nur sehr schwer aufzulösen ist. Wie kommt es zu solchen gefährlichen Beziehungskonstellationen? Wie können sie erkannt und demaskiert werden? Welche Interventions- und Therapieansätze gibt es dafür? Wie ist es möglich, dass die entstandenen seelischen Verletzungen wieder geheilt und das Leben selbstverantwortlich neu geordnet werden?

Donnerstag 09:05 Uhr Bayern 2

radioWissen

Pierre Bourdieu Denker der feinen Unterschiede Kurt Lewin Aktionsforschung, Feldtheorie und Gruppendynamik Das Kalenderblatt 26.11.1985 Erster ICE-Zug schafft 317 Stundenkilometer Von Carola Zinner Pierre Bourdieu - Denker der feinen Unterschiede Autorin: Maike Brzoska / Regie: Christiane Klenz Die einen gehen zum Italiener, die anderen essen Currywurst. Die einen hören Puccini, die anderen stehen auf Schlager. Was wir essen, welche Musik wir mögen, wie wir reden, wie wir uns kleiden - das alles ist bestimmt durch unsere soziale Herkunft. Davon war der französische Soziologe Pierre Bourdieu überzeugt. Unser sogenannter Habitus, wie er es nannte, präge unseren Geschmack und unsere Vorlieben. Und zwar zeitlebens. Selbst nach der steilsten Karriere oder der besten Ausbildung sehe man einem Menschen immer noch an, aus welchem "Stall" er oder sie komme. Außerdem würde die Gesellschaft Aufsteiger nicht mögen, meint Bourdieu. Diese Aussage ist gerade von ihm bemerkenswert, denn er selbst war ein Aufsteiger par excellence. Aufgewachsen in bäuerlichen Verhältnissen in der Provinz Frankreichs hat er es zum Professor an den renommiertesten Universitäten Frankreichs geschafft. Wer ist der Mann, der seine Profession, die Soziologie, einmal als Kampfsport bezeichnet hat? Kurt Lewin - Aktionsforschung, Feldtheorie und Gruppendynamik Autorin: Brigitte Kohn / Regie: Eva Demmelhuber Kurt Lewin gilt als einer der einflussreichsten Pioniere der Psychologie. Er ist einer der Begründer der modernen Sozialpsychologie und gehört mit Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Koffka zu den "großen Vier" der Berliner Schule der Gestaltpsychologie. Der Zeitgenosse von Sigmund Freud analysierte nicht das Innenleben des Einzelnen, sondern den Gesamtzusammenhang, in dem sich menschliches Verhalten realisiert. In Lewins Feldtheorie werden Person und Umwelt durch mathematisch berechenbare Kräfte zueinander in Beziehung gesetzt. Lewins Psychologie und ihre Einflüsse aus Mathematik, Physik und Philosophie führen zurück in die interdisziplinären Anfänge der experimentellen Psychologie und legen wesentliche Grundlagen für die Leistungsmotivationsforschung, für Sozialpsychologie und Gruppendynamik. Moderation: Birgit Magiera Redaktion: Nicole Ruchlak

Donnerstag 09:30 Uhr Ö1

Radiokolleg - Kryptoökonomie

Potentiale und Gefahren (4). Gestaltung: Gerald Nestler Seit Wikileaks aufgrund einer Zahlungsblockade durch US-amerikanische Banken und Kreditkartenunternehmen am 14. Juni 2011 auf Bitcoin wechselte, macht diese neue Währung weltweit Schlagzeilen. Zunehmend zogen Kryptowährungen, Tokens und Blockchain die Aufmerksamkeit von Investoren, Politik und Medien auf sich, wie beispielsweise die heftigen Debatten um die von Facebook angekündigte Kryptowährung Libra zeigen. Während Kritiker - darunter Notenbanker und andere Wirtschaftsfachleute - Kryptowährungen als Spekulationsobjekte betrachten, wird ihnen von anderen Seiten das Potential zugeschrieben, Ökonomie und Gesellschaft umzuwälzen und neu aufzustellen. Gleichzeitig entstehen auf Basis kryptografischer Verschlüsselung aber auch bereits existierende ökonomische Modelle technologisch und ökonomisch "upgedated". Ein Beispiel dafür ist das neu angefachte Interesse an Komplementärwährungen. Sie sollen ökonomische, soziale und ökologische Ungleichgewichte kompensieren sowie die kulturelle Vielfalt bewahren bzw. erhöhen, meist auf der Ebene von Gemeinden oder Regionen. All diese Zukunftserwartungen beruhen auf der Blockchain, dem kryptografischen Transaktionssystem hinter diesen Währungen und Verträgen. Durch sie wird nicht nur das Vertrauen zwischen Menschen auf einen computergesteuerten, dezentralen P2P-Konsensmechanismus auslagert, vielmehr soll damit Teilhabe demokratisch auf den Geldverkehr erweitert werden. Aber was wäre eine zukünftige Kryptoökonomie? Was können wir uns darunter vorstellen? Nach der Definition des 2018 gegründeten Forschungsinstitut für Kryptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien bezieht sich der Begriff "auf die spieltheoretischen Anreizmechanismen, die ein verteiltes Netzwerk von Akteuren und Akteurinnen ohne klassische Intermediäre oder staatliche Verwaltungsinstitutionen steuern." Das Radiokolleg zum Thema Kryptoökonomie nimmt diese technologische Entwicklung unter die Lupe und versucht verständlich zu machen, wofür diese abstrakte Beschreibung steht. Gerald Nestler befragt Expert*innen aus der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Krypto-Community zu ihrer Einschätzung über die Potentiale und Gefahren, die uns erwarten. Belgeitet wird diese Radiokolleg Reihe von einem Klangkunstwerk. Sometimes A Thousand Twangling Instruments wurde vom Wiener Computermusiker und Medienkünstler Volkmar Klien gemeinsam mit den New Yorker Kunstproduzenten Snark.art an der Blockchain entwickelt und besteht aus 2000 frei arrangierbaren und mit Grafiken verbundenen Klängen. © Volkmar Klien und Snark.art, 2020.

Donnerstag 09:45 Uhr Ö1

Radiokolleg - Kraftwerk

50 Jahre Mensch-Maschinen-Musik (4). Gestaltung: Stefan Niederwieser Kraftwerk war populäre Avantgarde. Die Band aus Düsseldorf hat vorrangig konzeptuell gearbeitet und eine visionäre Zukunft entworfen, die gleichzeitig zurückschaut auf jene Moderne, die durch Gräuel des Nationalsozialismus ein jähes Ende fand. Diese Konzepte haben Kraftwerk seit Anfang der 1970er Jahre in Töne gesetzt. Gemeinsam mit Fotografie, Bühne, Bildern, Texten und Typografie formten sie ein Ganzes, vielleicht sogar ein Gesamtkunstwerk. "Was man sicher behaupten kann, Kraftwerk gelang die größte Revolution in der Pop-Musik seit den Beatles", schreibt etwa Uwe Schütte in seiner kürzlich erschienenen Monographie über die Band. Das erste Album von Kraftwerk wurde 1970 veröffentlicht. Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben hatten die Band an einer Kunstakademie gegründet. Sie waren geprägt von Krautrock ihres Umfelds, aber auch von Musique Concrete, Fluxus und Rumorismo. Auf "Autobahn" schuf die Band gemeinsam mit Emil Schult vier Jahre später einen Meilenstein der Musikgeschichte. 22 Minuten lang wird eine Idee von Mobilität und endloser Bewegung zu Klang. Dabei sind Text und Plattencover so reduziert, dass sich Assoziationen zu motorisierter Freizeitkultur, zu einem deutschen Nationalsymbol, zur Nazi-Zeit und industriellem Fortschritt spinnen lassen. Das Album "Radio-Aktivität" setzt 1975 den Volksempfänger aufs Cover und bleibt beim sehr kontroversen Thema Atomkraft nicht ganz ohne Missverständnisse. "Trans-Europa Express" treibt die Band mit Geschwindigkeit und Rhythmus in eine Phase, die von einem grenzenlosen Europa träumt. Mit "Mensch-Maschine" ist 1978 der konzeptuelle Höhepunkt erreicht, einem komplexen Verwirrspiel mit politischen, ästhetischen und philosophischen Zeichen. Zudem wird mit "Das Model" ein für die Band relativ untypischer Song zu ihrem größten Hit. "Computerwelt" von 1981 sagt schließlich auf gespenstische Weise digitale Entfremdung, Überwachung und Big Data voraus.

Donnerstag 15:05 Uhr Bayern 2

radioWissen am Nachmittag

Tiere unter Drogen "Reich mir mal den Kugelfisch" Tiergifte Naturheilstoffe in der Medizin Das Kalenderblatt 26.11.1985 Erster ICE-Zug schafft 317 Stundenkilometer Von Carola Zinner Tiere unter Drogen - "Reich mir mal den Kugelfisch" Autor: Niklas Nau / Regie: Sabine Kienhöfer Betrunken herumtorkelnde Bienen, Rentiere auf Magic Mushrooms oder Delfine, die auf giftigen Kugelfischen herumkauen - nicht nur unter Menschen gibt es anscheinend "Partytiere". Auch bei einer ganzen Reihe anderer Spezies wurde der Gebrauch von Drogen schon beobachtet. Doch was steckt dahinter? Ist der Konsum nur ein Versehen, ist es die Lust am Rausch, oder noch etwas Anderes? Und lässt sich aus dem Verhalten anderer Spezies vielleicht auch der menschliche Umgang mit Drogen besser verstehen? Tiergifte - Naturheilstoffe in der Medizin Autor: Hellmuth Nordwig / Regie: Irene Schuck Kegelschnecken, Krustenechsen und Grubenottern haben eines gemeinsam: sie sind giftig. Genau wie rund 100.000 weitere Tierarten. Ihre Gifte dienen ihnen einmal dazu, Beute zu lähmen und zu betäuben. Zum anderen sind sie potente Verteidigungswaffen gegen Angriffe. Dass Tiergifte auch für uns nützlich sein können, haben Menschen früh entdeckt. Gerade die Medizin kann von ihnen profitieren, denn tierische Giftstoffe können die unterschiedlichsten Wirkungen haben: zum Beispiel als Blutdrucksenker, Gerinnungshemmer oder Schmerzmittel. Trotzdem stammen nur sehr wenige Medikamente in unseren Apotheken ursprünglich aus dem Tierreich. Oft ist die Dosierung oder die Anwendung schwierig, der Grat zwischen tödlich und nützlich allzu schmal. Vor allem aber scheut die Pharmaindustrie das finanzielle Risiko, solche Stoffe zu brauchbaren Medikamenten weiter zu entwickeln. Und noch etwas macht den Tiergift-Forschern zu schaffen: manche giftige Art ist akut vom Aussterben bedroht. Beispielsweise können sich manche Insekten bestens gegen Feinde wehren - doch gegen das Insektensterben hilft Gift leider nicht. Moderation: Yvonne Maier Redaktion: Bernhard Kastner

Donnerstag 19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Zeitfragen. Feature

Die genetische Erforschung der Sklaverei Was verrät die DNA heutiger Nachfahren? Von Michael Stang Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert wurden schätzungsweise 12,5 Millionen Menschen aus Häfen entlang der Atlantikküste Afrikas gewaltsam versklavt. Die globalen Auswirkungen sind bis heute relevant. Genetische Daten können neue historische Erkenntnisse zum transatlantischen Sklavenhandel liefern.

Donnerstag 22:03 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Freispiel

Kurzstrecke 104 Feature, Hörspiel, Klangkunst - Die Sendung für Hörstücke aus der freien Szene Zusammenstellung: Julia Gabel, Marcus Gammel, Ingo Kottkamp und Johann Mittmann Produktion: Autor*innen / Deutschlandfunk Kultur 2020 Länge: 56" (Ursendung) Neue Hörkunst aus der freien Szene. Heute unter anderem mit einem Stück direkt aus einem selbstgebauten Kleiderschrank-Aufnahmestudio. Telefonsex Von Joey Juschka Kammerspiel Von Vivien Schütz Book Bark Tree Skin Line Von Shelley Hirsch Außerdem: Neues aus der "Wurfsendung" mit Julia Tieke Ungewöhnlich und nicht länger als 20 Minuten: Wir stellen regelmäßig innovative, zeitgemäße, radiophone Hörstücke vor. Kurzstrecke 104

Donnerstag 22:08 Uhr Ö1

Radiokolleg

Gefährliche Beziehungen. Über Verstrickung und Lösung aus der Abhängigkeit (4). Gestaltung: Johannes Kaup Kryptoökonomie. Potentiale und Gefahren (4). Gestaltung: Gerald Nestler Kraftwerk. 50 Jahre Mensch-Maschinen-Musik (4). Gestaltung: Stefan Niederwieser

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